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Geschrieben von Administrator   
Montag, 30. Juli 2007

Gründungsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr Eutin


Vorgeschichte:

Großfeuer in Eutin im 16. und 17. Jahrhundert

1569     in der "stillen Woche".
            36 Wohnhäuser (ohne Scheunen und Nebengebäude).
            Beginn in einem  Bäckerhaus (Paasch)
            an der Südseite des Kirchhofes, dann zum Lübschen Tor.
            Insgesamt: Ostseite des Marktes, beide Seiten der Lübecker Str.
            Nur verschont wurde das Armenhaus und die dabei stehende Kirche.

1642     Am Aschermittwoch: Beginn im Schuster - Haus Pinckau
            in der Ziegenhörn (jetzt Petersstrasse).
            In 3 Stunden 76 Zimmer eingeäschert bis zum Sacktor (jetzt Rosengarten).
            Verordnung des Herzöglichen Hauses ,
            daß in Zukunft jeden Aschermittwoch
            Litanei zu beten sei:
           "Für Feuer und Wassernot, behüt uns lieber Herre Gott"
            (3 mal langsam zu beten).

            Im gleichen Sommer Blitz im Turm der Stadtkirche.
            Das Feuer wurde durch göttliche Gnade gelöscht.

1678     Beginn: Ostseite des Marktes, Haus des Leinewebers Hinrich
            Schwarcken. Dazu das in der Pfaffenstraße 
            ( jetzt Stolbergstr. ) daneben liegende Haus, beide gänzlich abgebrannt,
            ferner von einem anderen Haus Dach und Obergebäude.

1689     Am 22. Sonntage nach Trinitatis morgens um 6 Uhr.
            Beginn: Lübsche Str. bei Wwe. Margaretha Jacobsen: Schornsteinbrand.
            Durch heftigen Sturm Ausdehnung nach Westen weiter :
            Haus des Töpfers Peter Voeten gegenüber,
            dann weiter über andere Häuser zum Vorwerk des Schlosses, Marstall,
            Schloß, alles niedergebrannt.
            Insgesamt neben dem Schloß 9 große Wohnhäuser mit sämtlichen Ställen
            und Nebengeäuden.

            So geschehen vor 400 und 300 Jahren. Wohl gab es damals schon
            Feuerordnungen und Feuerlöschordnungen, die sich sowohl mit
           der Brandverhütung als auch mit Brandbekämpfungsmaßnahmen
           befaßten. Den Bürgen waren eine menge Pflichten auferlegt, 
           doch waren die technischen Mittel für die Brandbekämpfung und
           die Organisation der ungeübten Löschkräfte unzulänglich. So kam
           es immer wieder zu Brandkatastrophen von riesigen Ausmaßen.


1841     Erst 1841 kam es in Meißen zur Bildung eines
            " Feuerlösch und Rettungscorps "
            auf freiwilliger Grundlage, doch blieb dies in den deutschen Landen
            ziemlich unbemerkt.

1846     Erst als 1846 in Durlach durch den Fabrikanten Carl Metz und den
            Stadtbaumeister Hengst eine freiwillige Feuerwehr gegründet wurde
            und diese bei dem Stadttheaterbrand Karlsruhe im Februar 1847 die
            Leistungsfähigkeit einer gut ausgebildeten disziplinierten 
            Löschmannschaft unter Beweis gestellt hatte, nahmen die Gründungen
            freiwilliger Feuerwehren im deutschen Raum zu.
            1851 gab es 29 freiw. Wehren.

1861     Im norddeutschen Raum dauerte es etwas länger. In Schleswig - Holstein
            wurde die erste Freiwillige Feuerwehr 1861 in Kiel gegründet. Die Zahl der
            Wehren nahm nun auch hier schnell zu.
            Wie die Durlacher Wehr entstanden auch in Schleswig - Holstein eine
            Anzahl von Wehren aus Mitgliedern der Turnerschaft. Unter anderen
            führten die Wehren Plön und Rendsburg
            die Bezeichnung " Freiwillige Turner Feuerwehr " .
           

            Die Löscheinrichtungen der Stadt Eutin standen damals in keinem guten
            Ruf. Es wird berichtet, daß die Geräte nicht in Ordnung waren. Schäden
            wurden nicht rechtzeitig behoben, man kam mit schadhaften Schläuchen,
            die man mit Taschentüchern, Handtüchern, oder Säcken umwickelte,
            zur Brandstelle. Die Pflichtfeuerwehrleute waren säumig und unlustig.
            "Zumal es keine Spritzenordnung in Eutin gäbe, jeder
            komandieren, keiner gehorchen wolle, und alles in wilder
            Unordnung herumliefe
".
            Diese Verhältnisse veranlaßten 1872 Eutiner Bürger, sich mit der
            Einrichtung einer freiwilligen Feuerwehr zu beschäftigen.



Gründungsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr Eutin


1872
      Auf einer Versammlung des Bürgervereins am 17. September 1872
             regte der Uhrmacher Fritz Meyer die Gründung
             einer freiwilligen Feuerwehr an.
             Anlaß waren "traurige" Erfahrungen, die man kürzlich bei einem
             Brande in Ahrenbök gemacht hatte und die mangelhafte oder ganz
             fehlende Organisation unseres städtischen Feuerlöschwesens.
             Der hier trotz einiger Zweifel am Zustandekommen beifällige
             aufgenommene Vorschlag führte zu einer öffentlichen Versammlung am 
             6. Oktober, wo die ziemlich zahlreich Erschienenen sich bereit erklärten,
             eine freiwillige Feuerwehr zu gründen.

             In der weiteren Debatte traten zwei verschiedene Ansichten auf.
             Die Majorität hielt es für notwendig, das die freiw. Feuerwehr unabhängig
             vom Kommando der städtischen Wehr (Pflichtwehr) wirke,
             andere hielten dies nicht für richtig, jedenfalls aber für unerreichbar.
             Es wurde eine Kommission beauftragt, ein Statut zu entwerfen und nach
             Genehmigung desselben durch eine wieder zu berufende Versammlung
             um die Bestätigung durch den Magistrat nachzusuchen.

             Die Kommission erarbeitete nach den Satzungen der Wehren Kiel und 
             Schlewig ein Statut.
             In einer Eingabe wurde der Magistrat ersucht, die Bildung einer freiwilligen
             Feuerwehr zu gestatten und die derselben Beitretenden von den Pflichten
             bei der städtischen Feuerwehr zu entbinden. Diese beiden Wünsche
             fanden die wohlwollende Zustimmung des Bürgermeisters
             Völkers (im Amt 1867-91).
             Er setzte aber für die Annahme durch den Magistrat die Unterwerfung
             unter das städtische Kommando ohne Vorbehalt und Beschränkung
             voraus.

1873      Daraufhin wurde ein entsprechend neues Statut erarbeitet und dem
             Stadtmagistrat am 6.Februar 1873 eingereicht. Der Magistrat begrüßte die
             Bildung einer freiwilligen Feuerwehr, wünschte aber eine Änderung 
             des § 12 des Statutenentwurfs, welcher lautete :
             "Bei einem Brande hat sich der Hauptmann dem Commandeur der
             städtischen Feuerwehr unterzuordnen." 
             Er schlage folgende präzisere Fassung vor :
             "Bei einem Brande hat sich die freiw. Feuerwehr den Anordnungen
             des Commandeurs der städtischen Feuerwehr und der Polizei zu 
             fügen und Folge zu leisten."

             Dieser Bescheid wirkte verstimmend, da er geeignet erschien, die ganze
             Angelegenheit zu Grabe zu tragen.
             Die Kommission arbeitet aber weiter, sah sich in anderen Wehren nach 
             der Ausrüstung um und bemühte sich um eine zugesagte Schenkung
             von 400 Thalern durch Frl. Janus für die Beschaffung einer Spritze.
             Am 2. Juli 1873 erließ die Kommission eine Anzeige, die zum Eintritt
             in die zu gründende Wehr aufrief.
             Bis zum 13. August meldeten sich 40 Personen.

             Bereits am 6. August wurde der erste Vorstand gewählt.
             Es waren die Herren:

                   Hoppe,                   Geschäftsführer                          Vorsitzender
 
                   Voß, Friedrich         Gastwirt und Bierhändler      stellv.Vorsitzender

                   Schäfer, Heinrich    Kaufmann und                             Secretair
                                                später Ratsherr

                   Schläfke, Karl         Reg.-Revisor                       stellv.Secretair

                   Timm, Christian      Malermeister                                Beisitzer

                   Dittmann,               Stellmacher                                 Beisitzer

             Am 22.August bestätigte der Stadtmagistrat die Statuten der
             Wehr. Dieser Tag wurde als Stiftungstag angesehen.







             
     




              
           

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 17. Oktober 2007 )