Innenminister Schlie: Die Feuerwehr muss in 8 Minuten
an der Brandstelle sein
24. April 2010
Innenminister Klaus Schlie hat sich für den Erhalt eines
landesweit dichten und effizienten Netzes von Feuerwehren ausgesprochen.
“Es darf kein Gefälle abnehmenden Schutzes von der Stadt zum Dorf
geben”, sagte Schlie auf der Landesfeuerwehrversammlung am Samstag (24.
April) in Bad Segeberg.
Eine Feuerwehr müsse in acht Minuten nach der Alarmierung jeden
Einsatzort im Gemeindegebiet erreichen. Feuerwehrhäuser gehörten
dorthin, wo sie die meisten Feuerwehrleute möglichst schnell erreichen
könnten. “Ein Gewerbegebiet am Ortsrand ist im Regelfall kein geeigneter
Standort”, sagte Schlie. Billiger Baugrund dürfe bei der Standortwahl
für ein Feuerwehrhaus nicht ausschlaggebend sein. Damit hat der Minsiter
auf Überlegungen in Eutin reagiert, das neue Feuerwehrzentrum auf dem
früheren Festplatz zu bauen. Die Stadtmütter- und Väter wollen dafür
sogar in Kauf nehmen, dass die Ausrückzeiten nicht eingehalten werden
können.
Schlie begrüßte den jüngsten Beschluss der Stadt- und
Kreiswehrführer, Jugendliche auch künftig nicht in echte Einsätze zu
schicken. “Das ist nicht zu verantworten”, sagte der Minister. Der
Jugendschutz habe Vorrang vor taktischen Überlegungen. Er rief die
Wehrführer auf, die Rechtslage zum Schutz der jungen Leute und im
eigenen Interesse zu beachten. Eine erneute Diskussion darüber lehnte er
ab. “Die gesetzlichen Bestimmungen und die Beschlüsse der Feuerwehren
sind klar und eindeutig”, sagte Schlie.
Er appellierte an die Arbeitgeber, Mitglieder von Freiwilligen
Feuerwehren im Unternehmen bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit zu unterstützen.
“Feuerwehrleute sind ein Gewinn für jeden Betrieb”, sagte Schlie. Wer
Mitglied einer Wehr sei, verfüge aufgrund seiner Ausbildung über zusätzliche handwerkliche
Fähigkeiten und soziale Qualifikationen, die auch im Unternehmen gut
gebraucht würden.
Im vergangenen Jahr wurden die Feuerwehren im Land zu rund 7.100
Bränden gerufen, in fast 14.700 Fällen mussten sie technische Hilfe
leisten, rund 4.800 Mal wurden Fehlalarme ausgelöst. In
Schleswig-Holstein gibt es rund 50.000 Freiwillige Feuerwehrleute,
darunter 3.000 Frauen. Dazu kommen 9.500 Jugendliche. Sie alle sind in
1.400 Wehren organisiert.
Keine Jugendlichen im Einsatz
Das Thema “Jugendliche im Einsatz” wurde von den Kreis- und
Stadtwehrführern, als feuerwehrtechnische Aufsichtsbeamte ihrer
Kommunen, monatelang unter Einbeziehung ihrer Verbände beraten. Das
Ergebnis steht endgültig fest: “Mitglieder der Jugendabteilungen dürfen
nicht an Einsätzen teilnehmen.”, sagte Landesbrandmeister Detlef Radtke,
Sonnabend (24.04.) auf der Landesfeuerwehrversammlung in Bad Segeberg.
Vor über 250 Delegierten und Gästen, an der Spitze Innenminister
Klaus Schlie, wies Radtke darauf hin, das der Einsatzdienst in der
Einsatzabteilung frühestens mit vollendetem 18. Lebensjahr, unter
Anleitung und unter bestimmten Ausbildungsvoraussetzungen, zulässig ist.
Ein Erlass des Innenministeriums verbietet den Einsatz von Jugendlichen
unter 18 Jah-ren.
Handlungsbedarf seitens des Landes, der Kreise und der Gemeinden,
sieht Radtke bei der Einführung des Digitalfunks in Schleswig-Holstein.
Er fordert das Innenministerium und die kommunalen Verbände erneut auf,
sich intensiv um das gemeinsame Projekt Digitalfunk zu kümmern.
Der Brandschutz ist in Schleswig-Holstein eine kommunale
Angelegenheit. Jede der 1500 Gemeinden ist verantwortlich für die
Sicherstellung der Gefahrenabwehr in ihrem Zuständig-keitsbereich.
Radtke forderte auch die Feuerwehren auf, sich aktiv mit der
Feuerwehrbedarfsplanung zu beschäftigen. Dieser zeige Möglichkeiten auf,
Risiken und die daraus resul-tierenden notwendigen Einsatzkräfte und
Einsatzmittel zu erkennen.
Die Feuerwehren in Schleswig-Holstein konnten die Mitgliederzahlen in
den Einsatzabteilungen um 383 Personen von 50724 auf 51107
Feuerwehrleute steigern. 49 neue weibliche Kräfte fanden den Weg in die
Feuerwehr. Damit stieg deren Mitgliederzahl auf 2956 Frauen an. In den
vergangenen 10 Jahren waren es über 1000 Frauen. “Das sind sehr gute
Signale und bestätigen den Erfolg unserer landesweiten Kampagne zur
Mitgliederwerbung”, sagte Landesbrandmeister Detlef Radtke.
Knapp 152000 Einsatzanforderungen (Vorjahr 153000), davon 7132 (7296)
Brandeinsät-ze mussten 2009 von den Kräften der 1397 Freiwilligen, vier
Berufs- und 28 Werks- und Betriebsfeuerwehren des Landes abgearbeitet
werden. Mit 20455 Einsätzen sind im Bereich der technischen
Hilfeleistungen und sonstigen Einsätze, wie Verkehrsunfälle,
Tierrettung, Wasserrettung, Öleinsätze, leicht rückläufige Zahlen zu
verzeichnen. 1375 Menschenleben wurden von den Einsatzkräften lebend
gerettet.
Dass der Feuerwehrdienst auch mit Gefahren für die Einsatzkräfte
verbunden ist belegen die 678 Verletzungen, die sich die Frauen und
Männer bei Einsätzen zugezogen haben.
Um 22 Jugendliche, von 9515 auf 9537 Mädchen und Jungen stiegen die
Mitgliederzahlen in einer der 416 (413) Jugendfeuerwehren im Lande. Über
700 ausgebildete Jugendfeuerwehrleute sind in die Einsatzabteilungen
der Wehren übergetreten.
Autor/in: Horst Schinzel
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